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Ausstellung "Nie zu Hitler!" wurde im Rathaus in Ormesheim eröffnet

Erstellt am Donnerstag, 27. April 2017 07:45

Am vergangenen Montag wurde im Rathaus Mandelbachtal in Ormesheim von Bürgermeister Gerd Tussing und dem Vorsitzenden des Verkehrsvereins Mandelbachtal Manfred Pfeiffer die Ausstellung „Nie zu Hitler“ eröffnet, zu der vom Verkehrsverein in Zusammenarbeit mit der Stiftung Demokratie Saarland (SDS) eingeladen wird. Die Ausstellung ruft auf 29 Infotafeln die Erinnerung an die größte Kundgebung gegen den Nationalsozialismus im Saargebiet am 26. August 1934 in Sulzbach wach, die heutzutage wohl vielen überhaupt nicht mehr bekannt sein dürfte. „Deren Redebeiträge aber angesichts der jüngsten Auseinandersetzungen über das türkische Verfassungsreferendum wieder von bemerkenswerter Aktualität sind!“ so Manfred Pfeiffer in seiner Einführung in die Ausstellung.

   
 
Damals hatten die Nationalsozialisten die saarländische Bevölkerung zu einer Großkundgebung für die Rückgliederung der Saar an Deutschland auf den Ehrenbreitstein in Koblenz eingeladen. Zehntausende Saarländer und Saarländerinnen, so Manfred Pfeiffer, ließen sich mit Sonderzügen kostenlos nach Koblenz bringen, um der Kundgebung mit Adolf Hitler beizuwohnen.
 
Am gleichen Tag rief die Status-quo-Bewegung im Saargebiet zu einer "großen Heerschau der Antifaschistischen Front des Saargebietes in Sulzbach" auf. In der Saarbrücker Volksstimme vom 20. Juli 1934 hieß es in einem entsprechenden Aufruf: "Die zehntausenden Männer und Frauen des arbeitenden Volkes werden dort ihren unerschütterlichen Willen und ihre unwiderstehliche Kraft zur Niederwerfung der braunen Volksfeinde an der Saar demonstrieren. Von dort wird über das ganze Saargebiet der Schwur erschallen: Niemals zu Hitler!“
 
„Ehrenbreitstein - das heißt Freibrief für die Mörder Hitler, Göring und Goebbels zu neuen Mord- und Raubzügen gegen das deutsche Volk im Reich und an der Saar (…). Sulzbach - das ist Bekenntnis zur Freiheit! (…) zitierte Manfred Pfeiffer aus der Saarbrücker Volksstimme, die allzu optimistisch orakelte  „In Sulzbach marschieren am 26. August die Sieger von morgen!" „Die antifaschistische Einheitsfront des Saargebietes, die sich Anfang Juli aus SPD und KPD zur Verhinderung der Rückgliederung des Saargebietes zu Hitlerdeutschland gebildet hatte, konnte tatsächlich zwischen 60 000 und 100 000 Menschen mobilisieren!“ erläuterte Pfeiffer.
 
"Aus allen Teilen des Saargebietes kamen in Marschkolonnen, zu Fuß, mit dem Bus oder per Bahn, begleitet von Musikgruppen, Zehntausende in den Friedrich-Ebert-Hain in Sulzbach, einer Hochburg der Arbeiterbewegung im Saarrevier. Neben dem saarländischen KPD-Vorsitzenden Fritz Pford und dem Chef der Saar-Sozialdemokraten, Max Braun, sprach mit Pater Hugolinus Dörr auch ein katholischer Geistlicher, was große Aufmerksamkeit hervorrief und ihm von der nationalsozialistischen Deutschen Front heftige Angriffe einbrachte!“ so Pfeiffer.
 
Die Begeisterung, die die Sulzbacher Kundgebung bei den Teilnehmern erzeugte, hielt aber leider nicht lange an. Der Druck der von den Nazis finanzierten "Deutschen Front" auf die Rückgliederungsgegner wurde immer gewaltiger. Sie wurden gemieden, in Geschäften nicht mehr bedient, aus der Dorfgemeinschaft ausgegrenzt, Kinder von sozialdemokratischen oder kommunistischen Eltern in der Schule diffamiert und verprügelt. Ein Klima der Angst und Verunsicherung ließ den Widerstand schrumpfen.
 
„Obwohl den Saarländern in der Sulzbacher Kundgebung und auch in den folgenden Auseinandersetzungen im Vorfeld der Saarabstimmung drastisch vor Augen geführt worden war, wie menschenverachtend die Diktatur des Dritten Reiches agiert hat, stimmten letztlich am 13. Januar 1935 90,8% der Saarländer für den Anschluss an Nazideutschland!“ so Manfred Pfeiffer betroffen. „Das muss jedem, der sich heute über die Entscheidung der Türken im jüngsten Referendum
ereifert, zu denken geben!“ so Pfeiffer. „Unsere eigenen saarländische Geschichte zeigt uns bemerkenswerte Parallelen von der Instrumentalisierung patriotischen Denkens zur Erreichung der politischen Zielen eines totalitären Systems!“
 
Trotz dieser Entwicklung stellt Manfred Pfeiffer fest: „Die Kundgebung am 26. August 1934 in Sulzbach war in den Jahren 1933-1935 die größte antifaschistische Kundgebung auf deutschem Boden. Mut und eine demokratische Grundeinstellung vieler Saarländerinnen und Saarländer haben damals dem Ausland das andere deutsche Gesicht gezeigt!"
 
Bürgermeister Gerd Tussing zeigte sich von der Ausstellung und ihrem Thema angetan und bewegt. Er freute sich in seiner Begrüßung, dass es dem Verkehrsverein Mandelbachtal ein weiteres Mal gelungen ist, eine spannende Ausstellung über ein interessantes historisches Ereignis ins Mandelbachtaler Rathaus zu holen. Auch die jetzige Ausstellung werde wohl wieder für viel Gesprächsstoff sorgen.
 
Die Ausstellung wurde von der SDS zur Verfügung gestellt und wird vor Ort von der  Kreissparkasse Saarpfalz und der Gemeinde Mandelbachtal unterstützt. Zu der Ausstellung ist auch ein 84seitiges Begleitbuch erschienen, das für 3,- € im Rathaus erworben werden kann. Besucht werden kann die Ausstellung von 24. April bis 19. Mai 2017 während der Öffnungszeiten des Rathauses vormittags von Montag bis Freitag jeweils von 8:30 bis 12:00 Uhr und nachmittags am Montag und Donnerstag von 13:00 bis 15:30 Uhr, sowie am Mittwoch von 13:00 bis 17:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.  
 
(Foto Verkehrsverein Mandelbachtal, Nicole Weinrank)